Das Zentrum für Interkulturelle Forschung in Geschichtsdidaktik, Gesellschaftlichem Lernen und Politischer Bildung dient der Vernetzung geschichtsdidaktischer Forschung in interuniversitärer, transregionaler, europäischer und globaler Perspektive. Wir wollen durch diese Initiative
- aktuelle Forschungsprojekte sichtbar machen,
- Netzwerke stärken und
- Forschungen zum historischen, gesellschaftlichen und politischen Lernen in transnationaler bzw. international vergleichender Perspektive unterstützen.

Der wissenschaftliche Diskurs zu Schlüsselkonzepten der Geschichtsdidaktik / des Historischen Denkens und Lernens findet derzeit noch weitgehend in den regionalen Gesellschaften von Forscherinnen und Forschern statt, z.B in der deutschsprachigen 'scientific community', der englischen, anglo-kanadischen, US-amerikanischen Community. In den vergangenen Jahren sind neue und lebendige Communities in Brasilien, Mexico, Chile, Australien, ebenso in China, Japan, Korea, Taiwan, Indien und Indonesien entstanden.Ein transnationaler und globaler Diskurs über die Schlüsselfragen von Geschichtsdidaktik und historischer Bildung / Erziehung ist kaum vorhanden, scheint aber angesichts der wachsenden Nationalismen in vielen Teilen der Welt (China, Japan, Russland, USA, osteuropäische Staaten, rechtskonservative und nationalistische Gruppierung in westeuropäischen Staaten) ein dringendes Anliegen.

 

Ziele des Forschungszentrums

- Aufbau, Entwicklung und Förderung der vergleichenden interkulturellen Forschung und Theoriebildung über Schlüsselkonzepte der Geschichtsdidaktik (Geschichtsbewusstsein, Historisches Denken, Historisches Lernen, Geschichtskultur - inkl. Erinnerungskultur)
- Aufbau eines transnationalen Netzwerks zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den regionalen 'scientific communities' (Konferenzen, Forschungskooperationen, Publikationen)
- Analyse und kritischer Vergleich nationalgeschichtlicher und nationalistischer Narrative (z.B. im öffentlichen Diskurs, in Museen, in Studien- und Lehrplänen, Schulbüchern, Lehrwerken)
- Beratung nationaler und internationaler Organisationen in Fragen der Geschichtskultur und des historischen Lernens / der Geschichtsdidaktik
- Entwicklung und Förderung sozialwissenschaftlicher, insbesondere prozessorientierter Fragestellungen und Theoriebildung in der Geschichtsdidaktik
- Stärkung des interkulturellen Dialogs zu Schlüsselkonzepten des Historischen Denkens und Lernens

 

Aktuelle Aktivitäten

Graz Conference

Derzeit wird an der Universität Graz eine internationale Konferenz vorbereitet "The Graz Conference 2020", die von 11.-14. November 2020 stattfindet.
Thema: Historical Consciousness - Historical Thinking - Historical Culture. Core Concepts of History Didactics and Historical Education in Intercultural Perspectives. Reflections on Achievements - Challenges for the New Generation
Bei dieser Konferenz werden Fragen, die den oben genannten Zielen des Forschungszentrum für Didaktik der Geschichte, Sozialkunde und Politischen Bildung entsprechen auf internationaler Ebene diskutiert. Renommierte Forscherinnen und Forscher aus der ganzen Welt (Kanada, USA, Brasilien, Australien, Japan, Russland, nahezu alle europäischen Länder...) werden erwartet (real oder virtuell je nach aktuellen Reisebestimmungen). Die Eröffnungsvorträge werden von Jörn Rüsen und Dipesh Chakrabarty gehalten.

Wir laden Sie herzlich zur Teilnahme an der Graz Konferenz ein. (Regisitrierungs-Link)

 

Forschungsschwerpunkt: Ausbildung von Geschichtslehrerinnen und -lehrern im transnationalen Vergleich

Ein Schwerpunkt unserer eigenen Forschungen liegt derzeit in der vergleichenden Forschung zu Strukturen und Standards der Aus- und Weiterbildung von Lehrer*innen in den historisch-politischen Fächern. Aufbauend auf die Studien im europäischen Vergleich (CHE-Studie) sind derzeit Vergleichsstudien zur Lehrerbildung in Ostasien, Lateinamerika, den Vereinigten Staaten sowie Kanada in Vorbereitung. 

TEEM: Civic and History Teachers' Education in Europe. Modules for the Development of Democratic Competences and Social Responsibility of Teacher Trainees - ist ein Projekt mit 5 europäischen Partneruniversitäten. In transnationaler Zusammenarbeit werden fünf Module ausgearbeitet, die auf eine interaktive Plattform implementiert werden, sodass sie in Open Access zur Verfügung stehen und als best-practice Beispiele in der Lehrer*innenausbildung genützt werden können. Parallel dazu wird ein Policy Paper entwickelt, das Grundlinien für eine transnationale Lehrer'innenbildung anhand der ausgearbeiteten Module vorgibt.

 

Empirische Unterrichtsforschung

Im Bereich der empirischen Unterrichtsforschung steht aktuell die Beforschung der kommunikativen Prozesse im konkreten Unterrichtsgeschehen in ihrer Wechselwirkung mit der Konstruktion von historischen Narrativen im Zentrum (Prozessorientierung). Fragen der Thematisierung der (multikulturellen) Lebenswelten von Schülerinnen und Schülern im GSP-Unterricht sowie Fragen der Planung, Beobachtung und Analyse von GSP-Unterricht unter Aspekten der Wissenskonstruktion und des Wissensmanagements im GSP Unterricht sind weitere Schwerpunkte gewidmet.